Visuelle Methoden im Coaching

Visuelle Methoden im Coaching

Im Systemischen Club Oktober hatten wir dieses Mal Nicole Woltmann bei uns zu Gast. Sie hat uns an ihrer Arbeit mit kreativen und vor allem visuellen Methoden teilhaben gelassen hat.

Nicole Woltmann ist systemische Trainerin und Coach, die ihre Klient*innen und Coachees vor allem darin unterstützt, neue Perspektiven und eigene Lösungen zu entwickeln. Immer mit dem Blick auf das Positive, auf die Ressourcen des Klient*innensystems.

Nicole hat uns auf eine visuelle Reise mitgenommen. Sie startete mit der Vorstellung ihrer Person anhand von vorbereiteten Karten und führte direkt über in beispielhaft zu integrierende Karten: Im Training, in einer Online-Veranstaltung kann eine gemalte Kaffeetasse das Zeichen für eine gewünschte Pause sein. Alternativ kann auch ein Mikrofon auf die Moderationskarte gemalt werden, um das Gegenüber darauf aufmerksam zu machen, dass gerade im virtuellen Raum das Mikrofon noch ausgeschaltet ist und es eingeschaltet werden sollte.

Photos are landmarks and stars on the way home.

Dorota Raniszewska

Eine andere Variante bei der Arbeit mit Klient*innen oder Coachees sind Bildkarten oder Bilder von der Person aus vergangenen Zeiten. Leitende Fragen dazu könnten sein: Welches Foto würdest du mitbringen? Die Auswahl des Fotos kann damit bereits ein interessanter Gesprächseinstieg sein, denn der/die Klient:in hat das Foto aufgenommen/behalten, ausgewählt und dann auch mitgebracht.

Visualisierung – was das ist

Das Wort “Visualisierung” stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „zum Sehen gehörig“. Dabei geht es vor allem darum, Etwas oder Jemanden sichtbar zu machen und dieses bildlich vorstellbar zu machen. Es kommt zu einer Umsetzung von sprachlichen Informationen in Bildern. 

Gerade bei Sketchnotes ist es wichtig, dass folgende drei Aspekte beachtet werden:

  1. Ideas not Art (Die Zeichnung muss nicht perfekt sein!)
  2. Bild und Text kombinieren
  3. Bildüberlegenheitseffekt

Wusstest du, dass eine Text-Bild-Kombination zu 65 % erinnert werden kann, währenddessen reiner Text nur zu 10 % erinnert wird? Nachzulesen unter Dual-Coding-Theory.

Daraus leitet Nicole folgende drei Tipps ab:

  1. Achte auf Funktionalität anstelle von Schönheit 
  2. Erstelle dir ein visuelles Alphabet
  3. Verwende Schatten

Visuelles Alphabet

Das visuelle Alphabet sind Zeichnungen, die wir immer wieder benutzen und vor allem sehr leicht malen können. Mithilfe von geometrischen Formen, wie einem Vier- oder Dreieck, einem Kreis, einem Strich und einem Punkt lassen sich die verschiedenen Symbole und Bilder darstellen. Aus einem Dreieck und 3 Kreisen lässt sich in kürzester Zeit ein Eis darstellen. Mithilfe von einem Viereck, einem Dreieck und einem Strich entsteht sehr schnell ein Stift. Probiere gerne weitere Figuren aus. Mithilfe von Schatten (stelle dir die Sonne in der linken oberen Ecke vor und male davon ausgehend den Schatten) sehen die Figuren gleich viel plastischer aus und erzielen noch einmal mehr Wirkung.

Verschiedene Möglichkeiten für die Visualisierung

Nicole hat uns 6 verschiedene visuelle Methoden vorgestellt:

  1. Eigene Fotos der Klient*innen
  2. Bildkartensets
  3. Flipcharts & Co
  4. Fotografieraufgaben
  5. Templates, Canvas, Vorlagen
  6. Weiteres, wie zum Beispiel die Klient*innen oder Coachees selbst malen lassen.

Wie wir Fotos betrachten

Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie so, wie wir sind.

Anais Nin

Wenn wir Fotos betrachten, stellen wir uns immer wieder die Frage, was sehen wir dort eigentlich und welches Detail ist für mich das wichtigste. Daran anschließend stellen wir uns die Frage, welche Stimmung das Foto in mir weckt und was dieses mit meinem aktuellen Thema zu tun hat. Dies ist von Mensch zu Mensch jeweils unterschiedlich.

Was visuelle Methoden bewirken können

Visuelle Methoden können unsere jeweiligen Perspektiven erweitern, indem sie Zusammenhänge durch die Visualisierung sichtbar machen. Zudem können wir uns durch die Kombination von Text und Bild Inhalte nachhaltiger erinnern. Solche Kombinationen regen uns außerdem zu kreativen Ideen an: Wenn wir beispielweise Begriffe oder Symbole aus unserem visuellen Alphabet miteinander kombinieren und somit neue Bilder entstehen lassen. Darüber hinaus haben wir durch die visuellen Methoden die Möglichkeit, die Klient*innen oder Coachees zu erreichen und damit auch zu motivieren.

Es ist auch möglich, mithilfe von visuellem Material, was über den Sehsinn vermittelt wird, den jeweiligen Zielen der Klient*innen und Coachees näher zu kommen und die Zielerreichung schlussendlich möglich zu machen. Auch an die inneren Bilder der Klient*innen und Coachees kann durch die Visualisierung leichter angeknüpft werden. Es lassen sich einfacher innere Bilder nach außen transportieren und andersherum. Dies wird auch Externalisierung (innere Bilder nach Außen bringen) und Internalisierung (äußere Bilder nach Innen bringen) genannt.

Visuelle Methoden und Systemische Arbeit

Mithilfe von visuellen Methoden lassen sich sehr leicht die inneren Landkarten unserer Klient*innen und Coachees abgleichen, da wir sowohl mit dem Inneren als auch mit dem Äußeren kommunizieren können. Es hilft auch dabei eine Bestandsaufnahme von sämtlichen Informationen machen zu können, mit deren Hilfe der weitere Prozess vereinfacht werden kann. Die Kombination von visuellen Methoden und dem Systemischen Arbeiten ermöglicht auch, dass neue Räume geöffent werden können, da die Gedanken vollkommen frei sind und auch Träumen erlaubt ist. Durch das Beobachten und mithilfe von triadischen Fragen kann außerdem ein Perspektivwechsel angestrebt werden.

Wir freuen uns sehr, dass Nicole uns einen Teil ihrer Zeit geschenkt und Ihr Wissen zur Arbeit mit visuellen Methoden im Systemischen Club geteilt hat. Wenn ihr noch mehr zu diesem tollen Thema erfahren wollt, dann meldet euch gerne bei Nicole und schaut auch in diesem – wie wir finden – tollen Buch (unbezahlteWerbung/freiwilliger Lesetipp) vorbei.

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