Im Interview mit Melanie Hörenz-Pissang

Im Interview mit Melanie Hörenz-Pissang

Melanie-Hoerenz-NGO

Melanie Hörenz-Pissang lässt uns heute hinter die Kulissen ihrer Arbeit als systemische Organisationsentwicklerin in Non-Profit-Organisationen blicken. Vielen Dank, liebe Melanie, dass du unser Interview-Gast warst.

Wir freuen uns, mehr über Dich zu erfahren. Erzähl, wer bist du?

Ich heiße Melanie Hörenz-Pissang, bin 44 Jahre alt, Mutter einer Tochter und lebe mit meiner Familie in Ruhland (Südbrandenburg).

Wir sind neugierig: Wie bist du zu dem gekommen, was du heute beruflich machst?

Ich habe nach meinem Abitur Diplom-Soziologie an der Technischen Universität Dresden studiert. Nach meinem Abschluss habe ich fünf Jahre als Geschäftsstellenleiterin der Sportjugend Dresden im Stadtsportbund Dresden e.V. gearbeitet. In dieser Zeit habe ich berufsbegleitend eine Ausbildung zur Sozialmanagerin abgeschlossen. Danach war ich drei Jahre bei der djo-Deutsche Jugend in Europa, Bundesverband e.V. als Bundesfinanz- und Organisationsreferentin tätig. Zurück in Dresden habe ich 10 Jahre das Büro für freie Kultur- und Jugendarbeit e.V. (Kulturbüro Dresden) als Geschäftsführerin geleitet. Zwischen 2017 und 2019 habe ich eine Ausbildung zum systemischen Organisationscoach erfolgreich absolviert.

Seit wann bist du systemisch tätig?

Seit Mitte 2019 bin ich selbstständig in den Bereichen Systemisches Coaching, Organisationsentwicklung, Prozessbegleitung und Moderation tätig.

Wen möchtest du mit Deinem Angebot erreichen? Wen nicht?

Ich arbeite mit und für gemeinnützige Organisationen, Initiativen und Stiftungen, vorranging in den Bereichen Kinder- und Jugendhilfe, Integrationsarbeit und Bürgerschaftliches Engagement sowie ihren Fach- und Führungskräften. Das reicht von klassischer Moderation von Klausursitzungen und Fachtagungen über Prozessbegleitung von Teams in Kindertagseinrichtungen, Schulen und Vereinen bis hin zu langfristigen Organisationsentwicklungsprozessen sowie systemischen Coachings von Führungs- oder Leitungskräften.

Ich begleite Gestaltungs- und Veränderungsprozesse für lebendige, dynamische und resiliente Non-Profit-Organisationen, die Agilität und Selbstorganisation fördern.

Systemisches Arbeiten aus Deiner Perspektive

Was verbindest du mit Deiner Arbeit?

Mit meiner Arbeit verbinde ich einen ressourcen- und lösungsorientierten Ansatz, der den Blick auf das System und den Wechsel von Perspektiven im Mittelpunkt hat. Ich lasse mich wohlwollend, wertschätzend und präsent auf die Menschen ein. Ich gebe ihnen den Raum, den sie brauchen, um für ihre Themen Lösungen zu finden, die ihnen entsprechen. Ich mag dabei vor allem den Ansatz „Hilfe zur Selbsthilfe“ und klar herauszuarbeiten, welche Ziele verfolgt werden sollen, welche Möglichkeiten für Handlungsschritte es gibt und wer dabei unterstützend wirken kann.

Für mich ist dabei vordergründig, Menschen darin zu unterstützen und sie zu befähigen, selbstständig eine Lösung für ihre Herausforderung oder Problem zu finden und ihren Veränderungsprozess selbst zu gestalten.

Was unterscheidet Dich von anderen? Was zeichnet Dich und Deine Arbeitsweise aus?

Ich habe mehr als 18 Jahre als Geschäftsführerin und Finanzreferentin in lokalen und bundesweit tätigen Non-Profit-Organisationen gearbeitet. Dabei habe ich ehrenamtlich und hauptamtlich Multiplikator*innen in Vereinen, Stiftungen, Initiativen und Organisationen im Vereins- und Finanzmanagement sowie bei strukturellen Prozessen fachlich beraten und Veränderungsprozesse begleitet. Ich besitze eine hervorragende fachliche Expertise für diesen Bereich und kenne die Herausforderungen sowie das Spannungsfeld zwischen den verschiedenen Akteuren (z.B. Fördergeldgeber, Nutzer*innen, Verwaltung, Politik) mit teilweise divergierenden Interessen, Perspektiven und Rahmenbedingungen, die vorhandenen strukturellen Ressourcen und die Besonderheit dualer Personalstrukturen von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen mit einer hohen Beziehungs- und Wertorientierung.

Daher habe ich eine hohe Affinität zu der jeweiligen Werte-, Zweck- und Nutzer*innenorientierung in den Non-Profit-Organisationen. Mit einer ganzheitlichen systemischen Haltung, insbesondere mit lösungsorientierten Fragen und Tools gelingt es mir dann, die Perspektive zu verändern, den Blick auf das Zusammenwirken von verschiedenen Faktoren des Systems zu lenken. Mich zeichnet eine sehr strukturierte, lösungs- und kompetenzorientierte Arbeitsweise aus. Und genau diese fließt auch in meine Begleitungsprozesse ein.

Deine systemische Haltung

Würdest du Dich selbst als Systemiker*in bezeichnen? Wenn ja, warum und wenn nein, warum nicht?

Ich stelle mich als Sozialmanagerin und systemischer Organisationscoach vor, weil meine Kund*innen und Klient*innen sich unter diesen Begriffen etwas vorstellen können. Außerdem beinhaltet meine Arbeit häufig eine Komplemtärberatung – also ein Zusammenspiel aus Fach- und Prozesswissen. Ich arbeite daran, noch systemischer zu werden und weniger fachliche und inhaltlich ausgerichtete Angebote zu unterbreiten.

Stell´ Dir, wir bekommen Besuch vom Mars: Wie würdest du einem Mars-Bewohner Deine Tätigkeit und die systemische Arbeit beschreiben?

Das ist schwierig.

Ich würde versuchen ein Spinnennetz aufzumalen und zu erklären, dass die Person oder Organisation nie allein agieren können, sondern verschiedene Faktoren die eigene Welt zusammenhalten und sich untereinander bedingen sowie in Wechselwirkung zueinanderstehen.

Auswirkungen des digitalen Strukturwandels

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, systemische Angebote in der digitalen Welt sichtbarer zu machen. Daher interessieren wir uns für den Einfluss des digitalen Strukturwandels auf Deine Arbeit.

Wie stehst du zum digitalen Strukturwandel?

Ich persönlich habe mich vor der Corona-Pandemie sehr schwer mit dem Thema Digitalisierung getan. In den letzten Monaten habe ich diesbezüglich wahnsinnig viel dazu gelernt und kann vielen Entwicklungen auch etwas Positives abgewinnen. Ich arbeite nach wie vor am liebsten in Präsenz. Durch verschiedene digitale Möglichkeiten konnte ich einige Prozesse umstellen und dadurch Zeit gewinnen (Wegfall von langen Fahrtzeiten zu Seminarorten). Es haben sich zudem andere Zusammenarbeiten entwickelt (z.B. durch Social-Media-Kanäle), die ich vorher nicht erschlossen habe.

Wie verändert sich dadurch Deine Arbeit, hat sie sich bereits verändert?

Bedingt durch die Corona-Pandemie und die Lockdowns arbeite ich sehr viel digital und erschließe mir die Möglichkeiten, die sich dadurch ergeben. Für mich persönlich ist diese Situation natürlich auch ein spannender persönlicher Weiterentwicklungsprozess und ein Verlassen der eigenen Komfortzone – sozusagen mein eigener Veränderungsprozess mit all seinen Ausprägungen.

Welche Chancen, aber auch welche Grenzen sind für Dich erkennbar?

Mir persönlich fehlt die persönliche Interaktion, die Energie im Raum und auch die sensorische Wahrnehmung für die Menschen, mit denen ich arbeite. Insbesondere bei Video-Meetings mit vielen Personen und technischen Herausforderungen (z.B. Kamera aus) merke ich, dass mir sehr viel fehlt und für mich diese Medien Grenzen haben.

Anderseits habe ich auch neue Kund*innen geworden für die ich Online-Fortbildungen anbiete. Ich habe im Frühjahr mit einen WOL-Circle (Anmerkung der Redaktion: WOL steht für Working-Out-Loud) begonnen, der sich über eine Instagram-Bekanntschaft ergeben hat. Wir treffen uns heute noch wöchentlich, tauschen uns aus und unterstützen uns.

Das sind tolle Chancen, die sich neu ergeben haben. Für diese bin ich sehr dankbar.

Was, wenn alle systemisch denken und handeln würden?

Jetzt geht es nochmal ums große Ganze. Wir sind absolut überzeugt davon, dass systemisches Arbeiten nachhaltige Veränderung möglich macht.

Was würde sich Deiner Meinung nach verändern, würden ALLE systemisch agieren?

Aus meiner Sicht würde eine andere Haltung bei den Menschen zu ihrer Arbeit, ihrer Rolle und in ihrem Tun entstehen. Sie würden weniger die Probleme im Fokus haben, stattdessen wohlwollender, wertschätzender agieren, die Perspektive verändern. Es gebe weniger Ich-Zentrierung, sondern mehr Neugier, Mut und Selbstorganisation.

Gibt es noch etwas, was du hier an dieser Stelle gern noch erwähnen möchtest?

Ich würde mir wünschen, dass die Expertise von externem systemischem Coaching, Prozessbegleitung und Organisationsentwicklung viel stärker in den Non-Profit-Organisationen Einzug hält und dafür auch die notwendigen strukturellen, finanziellen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

Vor allem die Themen Resilienz, Agilität und Veränderung sind aus meiner Sicht in vielen gemeinnützigen Organisationen und bei den Fach- und Führungskräften sehr wichtig mit einem hohen Handlungsbedarf.

Wie kann man Dich am besten erreichen?

Webseitewww.hoerenz.org
Facebookhttps://www.facebook.com/Hoerenz.Coaching
Instagramhttps://www.instagram.com/melanie.hoerenz
Xinghttps://www.xing.com/profile/Melanie_HoerenzPissang
LinkedInhttps://www.linkedin.com/in/melanie-hörenz-pissang-0316301b1

Über welchen Kanal können Klient*innen Kontakt zu Dir aufnehmen?

Über alle Social-Media-Kanäle oder per E-Mail.

Liebe Melanie, wir danken Dir sehr herzlich für dieses Interview und freuen uns, wenn wir über Social Media oder unsere Club-Treffen miteinander in Verbindung bleiben!

Wenige Male im Jahr verlosen wir auf Social Media ein Interview. Möchtest du die Chance mehr über Deine Arbeit zu berichten nicht dem Zufall überlassen, kannst du jederzeit gern einen Artikel oder eine Methode beisteuern oder alternativ ein exklusives Interview bei uns buchen. Schreibe uns gern für mehr Infos eine Nachricht.

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