Das Selbst und die Liebe

Das Selbst und die Liebe

Unsere Autorin Esther Felten hat auf ihrem Blog drei tolle Beiträge zum Selbst und der Liebe verfasst. Wo beginnt unsere Selbstliebe und wo hört sie auf? Was bedeutet überhaupt „Selbstliebe“? Und wer ist dafür zuständig, dass die „Selbstliebe“ in einem gesunden Maß vorhanden ist?

Esthers Gedanken, die euch hoffentlich zu einem Gespräch mit euch selbst anregen, könnt ihr hier in leicht abgewandelter Form lesen.

Einfluss von uns und von anderen

Dass wir an uns denken und wie sehr wir uns selbst lieben, ist stets auch abhängig von anderen Faktoren. Komisch, oder, dass die Selbstliebe auch von äußeren Umständen beeinflusst wird? Sollten wir ihr dann nicht einen anderen Namen geben?
Wir alle haben den Wunsch in uns, unabhängig von unserem Umfeld, uns so zu lieben wie wir sind. Wenn wir etwas an uns auszusetzen haben, dann können wir das auch für uns selbst klären. Die Realität ist jedoch anders. Im Kindergarten, in der Schule, im Familien- und Freundeskreis, im beruflichen Umfeld und nun auch noch durch Social Media (Instagram, Facebook, etc.) wird unsere Selbstliebe auf die Probe gestellt und immer wieder aufs Neue getestet.

Wir bewerten uns ständig selbst

Wenn wir uns zunächst das „Selbst“ angucken, dann geht es doch darum, wie wir uns sehen und sehen wollen. Wie wir uns geben, verhalten, handeln und entwickeln und natürlich auch, wie wir aussehen.
Nehmen wir die „Liebe“ noch dazu, dann ist das sozusagen die Richtlinie, mit der wir unsere Handlungen, Verhaltensweisen, Redensarten, Äußerlichkeiten und Charaktereigenschaften bewerten. All das ist einer ständigen Bewertung durch uns selbst ausgesetzt – davon ist unsere Selbstliebe abhängig.
Wie sehr liebe ich mich und die Art und Weise, wie ich aussehe und mich präsentiere? Liebe ich meine Charaktereigenschaften sehr, mag aber einen Teil meines Körpers nicht und werte diesen häufig ab, dann leidet darunter auch meine Selbstliebe. Ich kann mich, so wie ich bin, nicht komplett lieben.

Dies allein ist schon sehr kompliziert und anstrengend, denn wir denken tagtäglich darüber nach. Und nun kommt noch ein äußerer Faktor, die Gesellschaft hinzu. Wir sind nun eben in viele Systeme eingebettet und werden von Kindesbeinen an von Menschen in unserem Umfeld geprägt. Wir lernen voneinander, haben Vorbilder und sind auch eine ganze Zeit lang abhängig von den Menschen, die uns erziehen und uns beim Aufwachsen helfen. Ein großer Teil unserer Selbstliebe findet dort schon sein Fundament. Die eigene Selbstliebe hat somit einen großen Auftrag: wachsen, gedeihen und sich nicht zu sehr beirren lassen.

Definiert wirklich jeder selbst für sich, was „schön“ und „normal“ ist? Wie und woran misst du deine Selbstliebe? Und ist es überhaupt möglich, an den Punkt zu kommen, an dem du sagen kannst:

„Ich bin gut so, wie ich bin!“

Selbstliebe bedeutet lebenslanges Lernen

Ich würde behaupten, dass Selbstliebe sich bei fast jedem im Laufe des Lebens genau so verändert wie,
– die Kleidergrößen,
– die Ernährungsweisen,
– der Klamottengeschmack,
– die Freundschaften, die wir pflegen,
– die Frisuren, die uns geschnitten wurden, weil wir dachten, sie seien cool…

Natürlich ist das nicht bei jedem so und natürlich habe ich mir erlaubt, etwas Selbstironie mit einzubauen, da das Leben einfach etwas leichter sein könnte/ sollte.

Im Rahmen einer Umfrage habe ich versucht herauszufinden, wie Selbstliebe entsteht. Interessant fand ich, dass alle Umfrageteilnehmer davon überzeugt waren, dass Selbstliebe in der Kindheit entsteht. Sie wird erlernt. Im Kindesalter wird dir idealerweise beigebracht, dass du so, wie du bist, „ok“ bist. Dinge, die man als Kind automatisch gut macht erscheinen ja meist „normal“, alles andere ist eben „ok“ so wie es ist.
Allein eine positive Rückmeldung von außen reicht jedoch nicht. Wir müssen als Kind auch in der Lage sein, die Bestätigung von außen annehmen zu können – das ist ein weiterer wichtiger Aspekt, den alle TeilnehmerInnen erwähnt haben.
Kritik/ Feedback, egal ob positiv oder negativ, ist nicht immer leicht zu nehmen. Gibt es nicht manchmal auch Momente, in denen ein positives Feedback Schamgefühl in dir auslöst und du gleichzeitig mit deinem inneren Kritiker dagegen hältst?

„Das hat der/die nur gesagt, um nett zu sein…“.

So, was machen wir nun, wenn der Idealfall nicht eingetreten ist oder nur teilweise eintreten konnte? Wir geben uns Zeit! Selbstliebe kann nämlich auch im späteren Verlauf noch erlernt werden – hier sind wir allerdings dann etwas mehr gefordert und mehr dafür verantwortlich. Selbstliebe ist eine warme, zärtliche Haltung deinem ICH gegenüber. Und jeder darf sich, wenn die Selbstliebe nicht so stark vorhanden ist wie gewünscht, etwas Zeit eingestehen, auch wenn das manchmal schwerfällt. Wir alle streben Veränderungen SCHNELL an – und deshalb könnte es sein, dass es dir persönlich etwas schwerer fällt, geduldiger mit dir und deiner Selbstliebe zu sein.

Wenn wir nun den gesellschaftlichen Faktor betrachten und welche Rolle diese für die Selbstliebe spielt, dann zeigt sich durch die Umfrage, dass vor allem im Jugendalter die äußeren umliegenden Faktoren einen größeren Einfluss auf uns haben. Denk doch einmal zurück, wie stabil warst du damals Mitten in deiner Pubertät und auch schon kurz davor? Alles veränderte sich, nicht nur um dich herum, sondern auch in dir (Mode, Aussehen, Körper etc.) und obendrauf haben deine engeren Freunde, Familie oder Mitschüler auch eine Meinung zu deinen Veränderungen. Diese Meinungen sind nicht immer, wie wir wissen, leicht zu schlucken.

Je mehr Lücken unsere Selbstliebe aufweist, desto größer ist die „Gefahr“, dass die Gesellschaft mit ihren Reaktionen auf uns, diese Lücken mit Schmerz, Wut und Traurigkeit füllen.

Eine Methode für mehr Selbstliebe

Meine Lieblingsmethode gegen Lücken in unserer Selbstliebe trägt den Titel „Begegnung mit deiner Selbstliebe“. Wichtig dafür ist, dass ihr ungestört seid. Ist das gegeben? Dann kann es losgehen:

Schritt 1
Hol dir zwei Stühle und nimm diese mit in einen Raum, wo du ein bisschen Platz hast. Vielleicht hast du sogar zwei, die sich voneinander unterscheiden. Ein Stuhl steht für dich und der andere für deine Selbstliebe (Selbstverständlich kannst du auch andere Gegenstände nehmen, die dir passend erscheinen z. B. Salz- und Pfefferstreuer oder zwei Kuscheltiere).

Schritt 2
Platziere den Stuhl, der für deine Selbstliebe steht und positioniere ihn vor dir im Raum. Welche Stelle fühlt sich gut dafür an? In der Mitte, neben der Türe, an der Wand? Handle aus dem Bauch heraus. Danach positionierst du den Stuhl, der für dich steht.
Fühlst du dich zur Zeit sehr mit dir verbunden und hast den Eindruck, dass du deine Selbstliebe gut pflegst und in einem guten Kontakt mit ihr bist, dann wird sie vielleicht direkt neben dir platziert. Weißt du gar nicht, wie es der Selbstliebe gerade geht und zweifelst oft an dir selbst bzw. kommst oft in einen kritischen Umgang mit dir, dann würdest du die Selbstliebe vielleicht eher weiter von dir weg platzieren.

Schritt 3
Nun, wenn du dich und deine Selbstliebe gestellt hast, bewegst du dich auf deinen Platz, setzt dich hin und beobachtest von diesem Punkt aus deine Selbstliebe. Frag sie doch mal, wie es ihr dort so geht und wo sie denn gern lieber stehen würde. UND was braucht sie von dir, um einen besseren / anderen Platz einnehmen zu können?
Klingt verrückt und abgefahren? Mag sein, aber versuche es mal… Was kommt raus, was erfährst du? Und hast du deiner Selbstliebe schon einmal für ihr Dasein gedankt? Im Gespräch mit der Selbstliebe in dir erfährst du auf diese Weise Neues. Vielleicht kommt ihr euch näher. Ich kann nur empfehlen: Bleibt im Gespräch.

Ich hoffe, dass diese Methode eine verrückende Anregung für ein Gespräch mit Dir selbst war.

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