Die vier Wesenheiten eines Menschen

Die vier Wesenheiten eines Menschen

Jeder Mensch ist neben seiner physischen Verfassung auch ein geistiges Wesen. Auf seelischer wie auf körperlicher Ebene bewegt er sich in vier Bereichen, die genährt und in Balance gehalten werden müssen. Es geht um den Spirit, die mental- emotionale Ebene, die soziale und die physische Ebene. Diese vier Bereiche, auch Wesenheiten genannt, sind in jedem Menschen vorzufinden. Ganz konkret bauen die vier Wesenheiten aufeinander auf, stehen im Ausgleich zueinander und führen, wenn sie wirklich in Balance zueinander gelebt werden, zu tiefer innerer Zufriedenheit und einem Gefühl der Ausgeglichenheit. Diese vier Wesenheiten wirken hierarchisch aufeinander ein. Die untere auf die jeweils darüber liegende und umgekehrt.

Balance für ein erfülltes Leben

  1. Die spirituelle Wesenheit umfasst das Geistige, die Zugehörigkeit zu einem Größeren, zu einem allumfassenden System. Die Seele wird als Organ der Wahrnehmung mit der Fähigkeit der Einsicht, der Erkenntnis gesehen.
  2. Die mental-emotionale Wesenheit umfasst unser Gehirn, unsere Fähigkeit zu Denken und die Möglichkeit Emotionen wahrzunehmen und zu speichern.
  3. Unser Herz, mit dem Hauptquartier der Liebe, ist die dritte Ebene, die soziale Wesenheit genannt. Dadurch können soziale Beziehungen und Bindungen eingegangen und vertieft werden.
  4. Die unterste Eben ist die physische Wesenheit. Jene Ebene, auf der alle materiellen Bedürfnisse gedeckt und das menschliche Verhalten und die dazugehörigen Auswirkungen hinzugezählt werden.

Die Ebenen wirken stark ineinander. Wie bei allen Systemen nährt die höhere Ebene die darunterliegende. Sind einzelne Elemente überfüttert oder unterernährt, entsteht eine Disbalance. Um also ein tiefenentspanntes Leben in Fülle und Zufriedenheit leben zu können, müssen alle vier Elemente wohlgenährt sein.

Zu wissen wofür mein Herz brennt und wonach ich strebe, was ich auf sozialer und physischer Ebene brauche, hilft mir, ein kohärentes, sinnerfülltes Leben zu führen.

Viele Menschen sind hungrig nach dem Sinn des Lebens und versuchen mit Statussymbolen und Eigentum diesen Bedarf zu decken. Doch dies führt zu einem Überbedarf auf physischer Ebene und einem Mangel auf emotional- mentaler sowie auf spiritueller Ebene. Ist die mental-emotionale und geistige Ebene kräftig und ausgewogen, benötigen wir auf den darunterliegenden Ebenen, beispielsweise in Form der materiellen Bedürfnisse, weniger. Wenn Klarheit und Bewusstheit für das Übergeordnete, das große Ganze, gegeben ist, hat der Mensch seine innere Balance gefunden.

Mobilisierung der Geisteskräfte

Viktor Frankl, ein Wiener Arzt und Philosoph, war Begründer der Logotherapie (nicht zu verwechseln mit Logopädie). Logotherapie will das Geistige im Menschen ansprechen und seine Geisteskräfte mobilisieren. Im menschlichen Dasein geht es immer wieder um die Frage nach dem Sinn. Der Mensch in seinem Dasein will verstehen, wie er sich selbst verwirklichen kann. Dabei geht es weniger um Lust und Macht und viel mehr um Erfüllung.

Die persönliche Reife und somit das eigene Denken in verschiedenen Ebenen gibt wieder, wieviel Verantwortung eine Person lebt. Ob Personen eigenverantwortlich handeln und ein WIR-Gefühl besitzen oder sich im EGO-Denken befinden, sagt aus, in welcher Entwicklungsstufe der Reife sich Menschen befinden.

Die geistig–spirituelle Wesenheit

Die geistig–spirituelle Wesenheit ist die Ebene der Seele und unterscheidet sich zur mental- emotionalen Ebene durch die Anbindung an etwas Größeres. Dieses „Größere“ meint den Glaube an etwas Göttliches, an eine größere Wesenheit. Damit ist allerdings nicht die Kirche in ihrem christlichen Tun gemeint. Oft findet hier eine Verwechslung statt. Sucht jemand die Erfüllung auf spirituellem Weg, erfolgt dies auf emotional-mentaler Ebene. Das Bedürfnis der Seele nach Nahrung ist jedoch nur auf geistiger Ebene zu finden. Für Menschen mit einem spirituellen Bewusstsein ist der Beitrag zur Gesellschaft sinnstiftend und motivierend.

Die mental- emotionale Wesenheit

Die mental-emotional Wesenheit bezieht sich auf Gehirnaktivitäten und den Intellekt. Sie beschäftigt sich mit mentalen Modellen, dem Mindset, Glaubenssätzen und den verschiedensten Denkmustern der Menschen. Manche Denkmuster sind förderlich, andere hemmen. Sich dessen bewusst zu sein/ zu werden hilft, das Menschenbild und das Wertesystem besser einzuordnen. Der Blick, mit dem wir auf unsere Mitmenschen und die Welt sehen deckt auf, welche mentale Haltung wir innehaben.

Die soziale Wesenheit

Die soziale Wesenheit beinhaltet, dass jeder Mensch ein soziales Wesen ist. Das Wohlbefinden jedes Einzelnen steht immer in Verbindung und in Verbundenheit mit der menschlichen Familie. In diesem Sinne funktioniert Familie ähnlich wie unser Organismus. Einzelne Zellen und Organe spielen zusammen. Tun sie dies nicht, führt es zu einem Kollaps. Das Ganze ist größer als die Summe seiner Teile, was bedeutet, dass es selbstverständlich ist und sogar überlebenswichtig ist, dass innerhalb der Familie Verantwortung übernommen wird. Die soziale Komponente ist vielschichtig und komplex und wird oft von Dynamiken geprägt, die im ersten Moment nicht leicht nachvollziehbar sind.

Ziel der sozialen Wesenheit ist es, Verantwortung in das gemeinsam gelebte System zu bringen und einen Mehrwert in der Gesellschaft zu schaffen. Dabei geht man von der Haltung aus, dass jeder Mensch ein Bergwerk in sich trägt, das es zu entdecken gilt, um Edelsteine an den Tag zu befördern.

Die physische Wesenheit

Die physische Wesenheit betrachtet den Körper als ein Zusammenspiel aus geistiger, mental-emotionaler und sozialer Ebene. Sie besitzt die Fähigkeit, die einzelnen Prozesse wahrzunehmen. Der physische Körper ist als Werkzeug gedacht, ohne ihn können wir nicht denken, lesen, wahrnehmen. Unsere fünf Sinne bieten die Möglichkeit Nahrung im wahrsten Sinne des Wortes aufzunehmen. Sie nähren aber auch unsere vier Wesenheiten. Der Mensch ist eine Einheit. Er ist geprägt von den vier Wesenheiten, welche im besten Fall ausgewogen ineinander spielen und tiefe Zufriedenheit, Ausgeglichenheit und Gelassenheit mit sich bringen.

Resümee der vier Wesenheiten

Nun liegt es an uns, diese vier Wesenheiten im Blick zu haben. Bewusst darauf zu achten, dass diese sich genährt wissen, so dass wir ein kohärentes Leben voll Glück, Zufriedenheit und Ausgelassenheit führen können. Es liegt an uns, wir haben es in der Hand, ob wir Entwickler, Erschaffende oder ob wir passive Lebende sind. Wonach dürstest du? Wonach sehnst du dich wirklich? Wofür stehst du jeden Tag auf? Was motiviert dich und macht dich dankbar?

Auf welches Leben möchtest du mit 85 Jahren zurückblicken? Was möchtest du in deinem Lebenstagebuch unbedingt stehen haben? Was möchtest du nicht missen wollen? Worauf möchtest du stolz sein? Welche Spuren möchtest du hinterlassen? Womit möchtest du in Erinnerung bleiben? Mit welcher Haltung möchtest du gelebt haben?

Quellen:

  • Viktor E. Frankl: Der Mensch auf der Suche nach Sinn: Zur Rehumanisierung der Psychotherapie. 1976. 978-3451019302.
  • Kambiz Poostchi: Der Sinn für das Ganze: Von der fragmentierten Gegenwart zur systemischen Zukunft. 2013. 978-3950369502
  • Eva Spadinger, Angelika Preston: . . . und das Gute nehme ich mit! Eine glückliche, zufriedene und sinnerfüllte Zukunft durch die Balance zwischen seelischem und körperlichem Sein. 2016. 978-3990484746

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