Transgenerationales Coaching
Was hat unser heutiges Leben mit den Erfahrungen unserer Ahn:innen zu tun? Beim Club-Abend mit Annika Prange tauchten wir in die Welt des transgenerationalen Coachings ein. Ein Ansatz, der systemische Perspektiven erweitert und neue Räume für Verständnis, Heilung und Entwicklung öffnet.
Zwischen Herkunft und Zukunft
Gemeinsam mit einer vielfältigen Gruppe aus systemischer Beratung, Coaching, Therapie und Organisationsentwicklung widmeten wir uns der Frage, wie Erfahrungen vergangener Generationen in unserem heutigen Leben weiterwirken und wie wir diese Dynamiken im Coaching sichtbar und bearbeitbar machen können. Schnell wurde deutlich: Dieser Abend berührte nicht nur fachlich, sondern auch persönlich.
Transgenerationales Coaching – worum geht es?
Im Zentrum des Ansatzes steht die Annahme, dass ungelöste Erfahrungen, Traumata oder unerfüllte Lebensmöglichkeiten unserer Vorfahren Einfluss auf unsere heutigen Themen haben können.
Annika Prange formulierte dazu einen klaren Arbeitsrahmen:
- Welche Verbindung gibt es zwischen dem Anliegen der Klient:innen und ihrer Ahnenlinie?
- Was hätten frühere Generationen gebraucht, um ihre Wunden zu heilen?
- Welche Potenziale entstehen, wenn diese „Versorgung“ symbolisch nachgeholt wird?
Ein zentraler Wirkmechanismus dabei:
Unser inneres Kind wird Zeuge davon, wie unsere Ahn:innen versorgt werden und kann sich dadurch aus unbewussten Loyalitäten lösen.
So entstehen neue Handlungsspielräume im Hier und Jetzt.
Methodische Einblicke aus der Praxis
Der Abend war stark erfahrungsorientiert und bot konkrete Interventionen für die eigene Arbeit.
Botschaften aus der Vergangenheit
Eine meditative Übung führte die Teilnehmenden in Kontakt mit einer Person aus ihrer Ahnenlinie. Leitfragen waren u. a.:
- Von wem stammt diese „Botschaft“?
- Was hat diese Person erlebt?
- Was verbindet mich mit ihr?
Diese Reflexion eröffnete oft überraschende Perspektiven auf eigene Themen.
Der transgenerationale Prozess
Ein klar strukturierter Coachingprozess wurde vorgestellt:
- Verstehen – Verbindung zwischen Anliegen und Ahnenlinie erkennen
- Versorgen – ein „Heilserum“ für die erlebten Wunden entwickeln
- Transformieren – neue Potenziale für die Gegenwart erschließen
Dieser Dreischritt verbindet systemische Analyse mit imaginativer und ressourcenorientierter Arbeit.
Der „familiäre Glücksrahmen“
Eine besonders eindrückliche Methode des Abends war der sogenannte Glücksrahmen:
- Was bedeutet für mich „das ganze Glück“?
- Was davon darf ich bereits leben?
- Was liegt (noch) außerhalb meines Rahmens?
Im nächsten Schritt wird reflektiert:
- Welche transgenerationalen Wunden stehen dem im Weg?
- Was verändert sich, wenn diese symbolisch versorgt werden?
Diese Methode verbindet Zielarbeit mit einem tiefen systemischen Verständnis von Herkunft und Entwicklung.
Weitere Methodenimpulse
Der Methodenschatz umfasste u. a.:
- „Starke Wurzeln“
- Ideale Eltern
- Jahrestagssyndrom
- Familiärer Glücksrahmen
- Notfallkoffer
Deutlich wurde: Transgenerationales Coaching ist kein einzelnes Tool, sondern ein komplexes, vielseitiges Methodenfeld.
Fachliche Diskussion und kritische Fragen
Neben Inspiration gab es auch wichtige fachliche Reflexion:
- Wo liegen die Grenzen zwischen Coaching und Therapie?
- Wann ist transgenerationale Arbeit nicht angezeigt (z. B. bei Sucht)?
- Wie gehen wir verantwortungsvoll mit potenziell belastenden Themen um?
- Welche Implikationen ergeben sich für die Arbeit mit Eltern?
Diese Fragen unterstreichen: Der Ansatz ist wirkungsvoll und verlangt zugleich hohe professionelle Sensibilität.
Was bleibt? Stimmen aus der Community
Die Rückmeldungen der Teilnehmenden zeigen die Wirkung des Abends:
- „Methoden-Inspiration“
- „Eine wichtige zusätzliche Reflexionsebene“
- „Achtsamkeit im Umgang mit transgenerationalen Themen“
- „Erkenntnis hilft, Muster zu durchbrechen“
Besonders berührend war der Gedanke:
Dass das eigene innere Kind Zeuge werden darf und Loyalitäten abgeben kann.
Auch emotional klang der Abend nach:

Resümee: Bewusstsein schafft neue Möglichkeiten
Der Club-Abend hat eindrücklich gezeigt, welches Potenzial in der Verbindung von systemischem Coaching und transgenerationaler Perspektive liegt. Wenn wir beginnen, unsere Geschichte im größeren Kontext zu verstehen, entsteht Raum für:
- neue Deutungen
- mehr Mitgefühl
- und echte Veränderung
Oder in einem Satz zusammengefasst:
Meine Heilung wirkt über mich hinaus.
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Und falls du selbst einmal einen Club-Abend gestalten möchtest – Sandra freut sich über eine Nachricht.
Weiterführende Links & Lesetipps
Fachliche Vertiefung
- https://systemischesnetzwerk.de/pep-prozess-und-embodimentfokussierte-psychologie/
- https://systemischesnetzwerk.de/systemisches-coaching-und-epigenetik/
Literatur (Auswahl aus dem Abend)
- Sabine Lück
- Vererbtes Schicksal: https://systemischesnetzwerk.de/rezension-vererbtes-schicksal/
- Vererbtes Glück: https://www.penguin.de/buecher/sabine-lueck-vererbtes-glueck/buch/9783424632729
- Ahnen auf die Couch: https://www.scorpio-verlag.de/Buecher/219/AhnenaufdieCouch.html
- Transgenerationale Therapie – Kartenset: https://systemischesnetzwerk.de/rezension-transgenerationale-therapie-75-therapiekarten-von-sabine-lueck/
- Mark Wolynn
- Dieser Schmerz ist nicht meiner: https://www.penguin.de/content/edition/excerpts_extended/Leseprobe_978-3-466-34655-4.pdf
- Katharina Drexler
- Ererbte Wunden erkennen: https://www.klett-cotta.de/produkt/katharina-drexler-ererbte-wunden-erkennen-9783608207422-t-9448
- Judy Wilkins-Smith
- Katja Maria Hinterleitner
- Du bist nicht deine Wunde: https://www.goldegg-verlag.com/titel/du-bist-nicht-deine-wunde/

Dieser Beitrag wurde vom Redaktionsteam des Systemischen Netzwerks für Euch erstellt.










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