PEP – Prozess- und Embodimentfokussierte Psychologie
Am 24. März 2026 traf sich die systemische Community zum ersten Systemischen Club-Abend des Jahres, um gemeinsam mit dem Psychiater und Psychotherapeuten Dr. Michael Bohne die PEP-Methode zu erkunden. PEP ist ein integrativer Ansatz zur Emotionsregulation und Selbststärkung. Der Abend verband theoretische Konzepte, organisatorische Reflexionen und praktische Demonstrationen zu einem lebendigen, interdisziplinären Austausch.
In diesem Artikel fassen wir die zentralen Einsichten, Impulse und kritischen Fragen, sowohl inhaltlich als auch aus der Perspektive einer reflektierenden, systemischen Community systematisch zusammen.
Was ist PEP? Eine kurze Orientierung
PEP steht für Prozess- und Embodimentfokussierte Psychologie. Der Ansatz verbindet Elemente aus körperorientierter Methodik, kognitiven Prozessen und systemischer Kontextarbeit. Gleich zu Beginn machte Michael Bohne deutlich:
PEP ist kein „Tool“ im klassischen Sinne – es ist eine Haltung, eine integrative Praxis zur Emotionsregulation, die körperliche Resonanz und Selbstwirksamkeit in den Fokus stellt.
Im Zentrum stehen dabei drei Kernbereiche:
- Emotionsregulation: Methoden, die helfen, emotionale Zustände zu klären und zu verändern.
- Ambivalenzarbeit: Verständnis und Bearbeitung von inneren Kontrasten und Mehrdeutigkeiten.
- Unbewusste Dynamiken: Sensibilisierung für somatische Marker, Loyalitäten und innerpsychische Muster.
PEP ist dabei als Prozess- und Interventionsrahmen zu verstehen, der sich über klassische Verfahren wie Hypnose, EMDR oder NLP hinaus positioniert.
Systemisch betrachtet: Haltung vor Technik
Ein wiederkehrender Gedanke während des Abends war: Methode wirkt nicht (nur) über Technik, sondern wie grundsätzlich immer auch in unseren Systemischen Begleitprozessen über die Haltung der Begleitenden. Im systemischen Feld formuliert man diese Einsicht oft so:
Die Person des Fachkundigen ist Teil des systemischen Prozesses.
Auf diesem Hintergrund reflektierte Michael Bohne, wie sich Placebo- und Nocebo-Effekte nicht nur auf physiologischer Ebene zeigen, sondern im therapeutischen Kontext über Erwartung, Beziehung und Selbstwirksamkeit wirken. Die Grundhaltung, mit der ein Prozess eröffnet wird, entscheidet in hohem Maße über die Qualität der Kooperation. Dies ist ein für die systemische Praxis zentraler Gedanke: Systeme (z. B. Personen, Paare, Organisationen) reagieren nicht bloß auf Interventionen, sondern auf Beziehung, Bedeutung und Kontext.
Körper und Bewusstsein: Embodiment im Fokus
Ein praktischer Höhepunkt des Abends war eine angeleitete Demonstration zur Körperwahrnehmung. Eine einfache Unterscheidungsaufgabe – ein Satz wurde einmal formuliert und einmal befragt – zeigte, wie stark sich körperliche Resonanzen verändern können. Viele Teilnehmende berichteten nach der Übung über:
- veränderte Atemmuster
- Druckempfindungen im Brustkorb oder Nacken
- Wärme- oder Kältewahrnehmungen
- emotionale „Anwesenheit“
Dieses Phänomen ist weit entfernt von reiner Suggestion: Es verweist auf das Zusammenspiel von physiologischen, affektiven und kognitiven Prozessen, die wir in systemischen Kontexten bisher häufig nur implizit wahrgenommen haben.
Interdisziplinäre Debatten: Wo passt PEP hin?
Die interaktive Mentimeter-Abfrage zeigte, wie vielfältig die Teilnehmenden besetzt waren:
Systemische Berater:innen, Therapeut:innen, Coaches, Organisationsentwickler:innen und Agile Practitioner erkundeten gemeinsam, was PEP ihnen bieten kann und wo Grenzen liegen könnten.
Zentrale Fragen waren dabei:
- Funktioniert PEP auch ohne körperliches Klopfen?
→ Ja, PEP lässt sich auch ohne physisches Klopfen wirksam einsetzen. Studien zeigen entsprechende Effekte. - Wann ist PEP nicht angebracht?
→ Bei schweren, komplexen Traumafolgestörungen oder Persönlichkeitsdynamiken braucht es ein erweitertes, strukturiertes therapeutisches Setting. - Wie lässt sich PEP in Coaching-Prozesse integrieren?
→ Vorab-Auftragsklärung, Kontextsensitivität und Reflexionsräume sind entscheidend.
Die Diskussion hat gezeigt: PEP ist methodisch flexibel, aber theoretisch anspruchsvoll. Es lädt dazu ein, Körper- und Emotionsebene nicht als „Add-on“ zu behandeln, sondern als integralen Bestandteil systemischer Wahrnehmung und Arbeit.
Wirksamkeit und Forschung: PEP unter der systemischen Lupe
Ein besonders spannender Teil des Abends war die Vorstellung bisheriger Forschungsergebnisse zur PEP-Anwendung bei Depressionen. Michael Bohne berichtete, dass nach einer PEP-Schulung unterschiedliche Berufsgruppen (von Hausärzt:innen bis Psychotherapeut:innen) vergleichbare Behandlungseffekte erzielen konnten.
Dies lädt zu zwei wichtigen systemischen Reflexionen ein:
- Klient:innen-zentrierte Wirksamkeit
– nicht die Qualifikation allein, sondern die Qualität des Prozesses und der Beziehung entscheidet über Erfolg. - Praxisdemokratisierung vs. Qualifikation
– Methoden sollten zugänglich sein, aber nicht ohne Reflexions- und Supervisionsrahmen.
Diese Forschungsergebnisse sollen zukünftig international veröffentlicht werden und in Gespräche mit Gesundheitssystemen einfließen.
PEP und systemische Haltung – ein Resümee
Der Club-Abend machte deutlich: PEP ist mehr als ein Emotionsregulationsverfahren. Es ist ein Ansatz, der:
- körperliche Erfahrung ernst nimmt,
- Reflexionsebene hochhält,
- Beziehungsqualität zum Katalysator von Veränderung macht.
Im systemischen Sinne ist PEP als interdependentes Set von Konzepten und Praktiken zu betrachten, das nicht isoliert wirkt, sondern immer im Kontext:
Kontext, Bedeutung und Beziehungen prägen die Wirkung.
Für Praktiker:innen bedeutet das: Techniken sind wichtig – aber Haltung, Kontextsensitivität und Reflexion sind entscheidend.
Weiterführende Links und Ressourcen
Grundlagen, Forschung & PEP
- PEP-Forschung – Studien und Publikationen:
https://www.dr-michael-bohne.de/pep-forschung.html - PEP-Publikationen von Michael Bohne:
https://www.dr-michael-bohne.de/publikationen.html - Website zur Methode:
https://www.redenreichtnicht.de/
Fort- und Weiterbildung
- PEP-Seminare und Trainings:
https://www.dr-michael-bohne.de/fortbildung-pep.html
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Dieser Beitrag wurde vom Redaktionsteam des Systemischen Netzwerks für Euch erstellt.










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