Messengerdienste in Coaching & Therapie

Messengerdienste in Coaching & Therapie

Katharina Piekorz ist Psychologin, systemische Therapeutin und systemische Onlineberaterin. Am 31. August war sie zu Gast bei uns im Systemischen Club und hat einen Vortrag zum Thema Messengerdienste gehalten. Unsere Zuhörer*innen waren bei diesem Club-Treffen besonders aktiv und haben einen tollen Austausch ermöglicht. Wir wollen eurem Wunsch natürlich nachkommen und euch die von Katharina empfohlenen Messengerdienste in diesem Artikel etwas näher vorstellen.

Was sind Messengerdienste?

Ganz typisch Psychologin hat Katharina zunächst nach Studien gesucht, die das Thema Messengerdienste für eine mobile und alltagsnahe Begleitung in Beratung, Therapie, Coaching und Supervision untersuchen. Relativ schnell musste sie erkennen, dass solche Studien noch nicht existieren. Um so neugieriger wurde sie darauf herauszufinden, wie wirkungsvoll Messengerdienste in der Therapie tatsächlich sein können.

Tatsache ist, dass Messengerdienste zu unserem Alltag gehören. Rund 68% der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren nutzen täglich einen Messenger. Rund 33,4 Millionen Deutsche nutzen beispielsweise WhatsApp für ihre private Kommunikation vom Smartphone aus.

Schon gewusst? Messengerdienste unterscheiden sich von normalen Textnachrichten (SMS), weil sie Nachrichten über einen Server statt über Funk übertragen.

Welche Chancen bieten Messengerdienste?

Katharina sieht für den Einsatz von Messengerdiensten in Beratung, Therapie und Coaching große Chancen, vor allem für den Zwischenkontakt zwischen Anfrage und Erstgespräch oder auch für den Zeitraum zwischen zwei Terminen. Eine Anfrage per Messengerdienst ist für Klienten niederschwellig und unkompliziert. Auch für den oder die Therapeut*in kann die (Online-)Beratung deutlich vereinfacht werden, da in den meisten fällen kein zusätzliches Equipment oder Software benötigt wird. Grundsätzlich sind Kommunikationspartner*innen per Messengerdienst viel schneller zu erreichen, als beispielsweise per E-Mail.

Gleichzeitig weisen diese Dienste auch einen größeren Funktionsbereich auf, den sich Therapeut*innen zu Nutze machen können. Absprachen können einfacher getroffen, Termine gefunden und Krisensituationen gemeistert werden. Auch die Nachbereitung von Terminen kann wirkunsgvoller gestaltet werden, indem zum Beispiel vertiefende Gedanken als Sprachnachricht verschickt werden.

Was muss beachtet werden?

Auf der anderen Seite darf natürlich auch die gegenseitige Achtsamkeit und Psychohygiene nicht vernachlässigt werden. Katharina gibt zu bedenken, dass die Nutzung von Messengerdiensten eine Dauererreichbarkeit der Therapeutin, aber auch der Klienten suggerieren könnte. Eine klare Trennung von privater und fachlicher Kommunikation ist unabdingbar. Gegebenenfalls kann die Aushandlung von Spielregeln sinnvoll sein. Therapeut*innen sollten sich außerdem Gedanken darüber machen, ob und wie sie die Kontaktzeiten erheben, dokumentieren und evtl. auch bepreisen wollen.

Beispiel: Therapeut A hat die Funktion „Nachricht gelesen“ in seinem Messengerdienst deaktiviert. Seine Klientin weiß nie genau, ob und wann er ihre Nachrichten gelesen hat und wartet lange auf Antworten. Therapeutin B hat die Funktion aktiviert und kommuniziert gegenüber ihren Klienten, dass sie zeitnah auf Nachrichten antwortet, sobald sie diese gelesen hat. Sie liest Nachrichten nur in Situationen, in denen sie sich bewusst Zeit zum Antworten nimmt.

Wichtiger denn je: Datenschutz

Einigen von euch kam beim Lesen bestimmt schon ein Gedanke: WhatsApp ist doch nicht datenschutzkonform? Richtig! WhatsApp ist auch ausdrücklich KEIN Messengerdienst, den Katharina für den Einsatz in Beratung, Therapie oder Coaching empfiehlt. Sie empfiehlt derzeit zwei (drei) Alternativen, die den Datenschutz ernst nehmen. Diese Alternativen zu WhatsApp wollen wir euch an dieser Stelle etwas näher vorstellen.

  1. Threema
  2. Wire
  3. Signal

Empfohlener Messengerdienst: Threema

Threema ist ein freier Ende-zu-Ende-verschlüsselter Schweizer Instant-Messaging-Dienst zur Nutzung auf Smartphones und Tablets. Der Dienst ist ist so konzipiert, dass keine Datenspur entsteht. Die gesamte Kommunikation ist immer vollständig Ende-zu-Ende-verschlüsselt, und die App ist Open Source. Jeder Benutzer generiert beim Einrichten der App eine zufällige Threema-ID. Die Verknüpfung mit einer Handynummer oder E-Mail-Adresse ist optional. Für den Chat ist im Unterschied zu WhatsApp also keine Handynummer zwingend notwendig. Threema erhebt außerdem keinerlei Nutzerdaten und macht auch keine Werbung. Von Softwareentwicklung bis Support erfolgt alles in-house beim Schweizer Unternehmen.

Im App Store kostet Threema aktuell einmalig 3,99€. Mehr über Threema erfahrt ihr hier.

Empfohlener Messengerdienst: Wire

Wire ist ein Instant Messenger für Smartphones und Tablets sowie Windows-, macOS- und Linux-Computer. Über den Dienst Wire for Web und die Schnittstelle WebRTC sind Anrufe zu und von bestimmten Webbrowsern möglich. Auch dieser Dienst wurde von einem Schweizer Unternehmen entwickelt. Seine Server hat die Firma in Deutschland und Irland und ist ebenso wie Threema eine Open Source Software. Open Source bedeutet, dass der Quellcode jederzeit und von jedem eingesehen und üperprüft werden kann. Auch Wire verkauft keinerlei Nutzerdaten, erstellt kein Profil seiner Nutzer und macht keine Werbung. Um sich anzumelden benötigt man allerdings eine Handynummer oder eine E-mail Adresse.

Im App Store kann Signal kostenlos runtergeladen werden. Mehr über Wire erfahrt ihr hier.

Eingeschränkt empfohlener Messengerdienst: Signal

Signal ist ein freier und sicherer Messenger für verschlüsselte Kommunikation der US-amerikanischen, gemeinnützigen Signal-Stiftung. Er ist vor allem für seine Datensparsamkeit und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bekannt und wird daher häufig von Sicherheitsexperten und Datenschutzorganisationen empfohlen. Auch Signal enthält keine Werbung, kein Affiliate-Marketing und kein Tracking. Signal lässt sich aber nur mit Angabe personenbezogener Daten verwenden und liest auch Kontaktdaten aus. Für Beratungssituationen ist Signal also nur eingeschränkt empfehlenswert.

Im App Store kann Signal kostenlos runtergeladen werden. Mehr über Signal erfahrt ihr hier.

Tipp: Die DGSF ermöglicht ihren Mitgliedern die Nutzung der Videoberatungssoftware CGM ELVI. Die TÜV-zertifizierte Software entspricht den gesetzlichen Anforderungen des Datenschutzes und der Datensicherheit. Mehr dazu lest ihr hier.

Mögliche Entscheidungskriterien

Ihr habt also die Qual der Wahl. Katharina hat folgende Aspekte aufgezeigt, die euch möglicherweise bei der Wahl des perfekten Messengerdienstes für euch und eure Klienten helfen. Stellt euch folgende Fragen:

  • Welcher Messengerdienst ist in meiner Zielgruppe möglicherweise bereits verbreitet?
  • Möchte ich meinen Klienten zusätzliche Kosten zumuten, oder wähle ich einen kostenlosen Dienst?
  • Welchen Stellenwert hat der Datenschutz bei mir und meinen Klienten?

Wenn ihr jetzt noch mehr zum Einsatz von Messengerdiensten in Beratung, Therapie und Coaching erfahren wolltet, solltet ihr euch unbedingt noch das Interview mit Katharina anschauen, das im Anschluss an unser Club-Treffen aufgezeichnet wurde. Zum Interview gelangt ihr hier.

Ihr wollt direkt mit Katharina in Verbindung treten? Dann findet ihr ihre Kontaktdaten hier!

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