Sei der Held deiner eigenen Story

Sei der Held deiner eigenen Story

kleine Heldin

In der vergangenen Woche war Benedikt Hüsch zu Gast im Systemischen Club und hat mit uns über die Heldenreise gesprochen. Benedikt studiert Wirtschaftspsychologie in Berlin und macht parallel eine Ausbildung zum systemischen Coach. Schon früh hat Benedikt durch den Einfluss seines Vaters begonnen, sich mit Luhmann und der Systemtheorie auseinanderzusetzen. Im Rahmen seines Studiums setzt er sich stark mit narrativer Psychologie und psychologischer Morphologie auseinander und hat so begonnen, sich für die Heldenreise zu begeistern.

Die Heldenreise ist eine tolle Methode, um, egal an welchem Punkt man sich gerade im Leben befindet, aus seiner gewohnten Welt auszubrechen und sich weiterzuentwickeln. Du musst dich nur deinen Ängsten stellen und das, was du als Hürde ansiehst, überwinden. Du kannst der Held deiner eigenen Story sein!

Benedikt Hüsch im YouTube-Interview mit Sandra Brauer

Ursprünge der Heldenreise

Begründer der Heldenreise ist Joseph Campbell, amerikanischer Mythenforscher. Campbell hat viele verschiedene Mythen und fiktive Geschichten miteinander verglichen und und hat parallele Strukturen entdeckt. Er ist der Auffassung, dass jeder Mythos einer archetypischen Grundstruktur unterliegt. Sein Buch „The hero with a thousand faces“ (auf Deutsch „Der Heros in tausend Gestalten“) gilt als Standardwerk in der Mythenforschung. Campbell arbeitet Gemeinsamkeiten und Unterschiede verschiedenster Heldengeschichten heraus und hat mit seiner Arbeit unweigerlich die Art und Weise geprägt, wie Geschichten geschrieben oder Filme gemacht werde.

Die Heldenresie als Methode, so wie Campbell sie formuliert hat, findet ihr in unserer Methodensammlung.

Christopher Vogler, amerikanischer Drehbuchautor, hat Campbells Heldenreise nach Hollywood gebracht. Als er 1975 an die University of California in Los Angeles berufen wurde, wurden dort noch vornehmlich Aristoteles und Shakespeare gelehrt. Für Vogler war es wichtig, ein größeres theoretisches Gerüst zu verwenden, das auch die Dimensionen des Emotionalen und Geistigen einschließt. Er verfasste ein weiteres Standardwerk, das sich bis heute in jedem großen Drehbuch wiederfindet. In „The Writer’s Journey: Mythic Structures for Writers“ bezieht er sich auf die Heldenreise nach Joseph Campbell und beschreibt die Universalität von Erzählstrukturen.

Kommunikation durch Bilder

Was ist nun aber der Link von Hollywood-Drehbüchern zum systemischen Arbeiten? Um diese Verbindung herstellen zu können, hat Benedit in seinem Impulsvortrag einen Exkurs in die Kommunikationswissenschaft gemacht.

Wir sammeln Informationen und speichern diese als Bilder ab. Da wir unzählige Bilder im Laufe unserers Lebens sehen, müssen wir sie ordnen und durch Sinnzusammenhänge miteinander verknüpfen. Aus diesen Verknüpfungen entstehen Geschichten, die wir uns besser merken können.

Benedikt Hüsch im YouTube-Interview mit Sandra Brauer

Diese Geschichten, Parabeln und Gleichnisse helfen uns zu verstehen. So passiert es, dass sich Protagonisten aus diesen Geschichten hervortun, mit denen wir uns identifizieren können und durch die wir uns verständlich machen können.

Es gibt keine Ordnung ohne Chaos

Ein weiterer spannender Gedanke, den Benedikt uns mit auf den Weg gegeben hat, ist die Abhängigkeit von Ordnung und Chaos. Es kann das Eine nicht ohne das Andere geben. Die Heldenreise als Methode lebt von dem Übergang aus der Ordnung heraus ins Chaos und zurück in eine neue Ordnung, Vogler hat diesen Kreislauf folgendermaßen dargestellt:

Ein*e Held*in, der*die sich auf einer Reise zwischen Ordnung und Chaos befindet, stellt sich in der Mythologie mutig und unerschrocken einer schweren Aufgabe. An dieser Stelle wird klar, wie die Heldenreise als Methode in der systemischen Arbeit genutzt werden kann. Ziel der Heldenreise in der mythischen Welt ist es, das Universum zu retten (wie zum Beispiel in Filmen wie Star-Wars oder den Marvel Comics). In der realen Welt finden sich Heldenreisen in ganz alltäglichen Dingen wieder. Jeder Moment, in dem sich ein*e Klient*in dazu entscheidet, aus der gewohnten Ordnung auszubrechen, ist sein oder ihr Aufbruch in ein Abenteuer. Belohnt wird dieser Aufbruch mit Problemlösung, Selbstreflexion und Entscheidungsfindung.

Ablauf einer Heldenreise

Im Folgenden haben wir uns aufgrund der Lesbarkeit für „den Helden“ als männliche Form entschieden, der Held kann aber jedes Geschlecht annehmen.

Egal, ob Luke Skywalker, Captain Marvel oder ein*e Klient*in zu ihrem Abenteuer aufbrechen, sie alle durchlaufen folgende Stadien während ihrer Heldenreise.

1. Die gewohnte Welt

Für den Helden ist alles in Ordnung, er hat ein stabiles Umfeld (Familie/ Freunde) und lebt in seinem gewohnten Habitus.

2. Ruf zum Abenteuer

Der Held bekommt einen Impuls. Er weiß, dass er etwas tun muss und verspürt den Drang, etwas an seinem Leben zu verändern.

3. Weigerung

Der Held will sich nicht auf die Veränderung einlassen. Häufige Äußerungen sind „Ich kann kein Held sein“ oder „Ich möchte nicht ins Ungewisse gehen“. Der Ruf des Abenteuers wird jedoch immer lauter, so lange der Held sich weigert.

4. Begegnung des Mentors

Der Mentor kann eine Figur, aber auch ein Gegenstand sein. Der Mentor war bereits einmal im Chaos und verfügt über mehr Erfahrung, als der Held. Häufig verfügt der Mentor über übersinnliche Käfte.

5. Die Schwelle überwinden

Der Held verlässt die Ordnung und betritt das Chaos.

6. Werkzeuge, Verbündete, Feinde und Prüfungen

Der Held ist noch nicht bereit, seinen großen Kampf zu bestreiten. Er flieht, schließt Allianzen, meistert mehrere kleine Prüfungen und bringt seine Verbündeten mit in das Zentrum des Chaos.

7. Die Annäherung an die tiefste Höhle

Der Held muss sich mit unbewussten Ängsten und seinen Glaubenssätzen auseinader setzen.

8. Tod und Wiedergeburt (Apotheose)

Symbolischer Tod des Ego. Es macht Platz für eine neue, stärkere Persönlichkeit. Dieser Schritt wird häufig von einem göttlichen Schimmer umgeben.

9. Die Belohnung

Nach seiner Wiedergeburt erhält der Held das, was er sich am allermeisten gewünscht hat. Typischerweise sind das materielle Dinge, wie ein Schatz oder aber eine Prinzessin, die er erobert oder gerettet hat. Seine Belohnung nimmt der Held auf der Reise zurück in eine geordnete Welt mit.

10. Der Weg zurück

Dieser Rückweg kann unterschiedlich lang und beschwerlich sein.

11. Transformation

Der Held hat seine Belohnung, trägt aber auch noch das Chaos in sich. Er transfomiert endgültig zum Helden und seiner neuen Persönlichkeit.

12. Rückkehr und Vereiningung

Die Welt wird wieder ins Gleichgewicht gebracht. Egal, wie chaotisch es vorher war, eine neue Ordnung wird hergestellt. Der Kreislauf der Heldenreise beginnt von vorne.

Die Belohnung unserer kleinen Reise mit Benedikt ist folgende Erkenntnis: Jede*r von uns, kann jederzeit damit beginnen, sich zu transformieren und der Held der eigenen Geschichte zu werden. Diesen schönen Gedanken möchten wir euch mit in eure Coachings und Beratungsgespräche geben. Wir sind davon überzeugt, dass durch dieses positive Hervorheben der eigenen Figur viele vermeintlich unüberwindbare Hindernisse ein bisschen kleiner erscheinen und sich viele verborgene Mentoren und Verbündete in diesem Narrativ plötzlich zeigen werden.

Wer noch mehr von Benedikt hören möchte, findet hier das YouTube-Interview, das Sandra mit ihm im Anschluss an den Systemischen Club geführt hat. Wir danken Benedikt für diesen tollen Input.

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