Verbindung statt Verurteilung

Verbindung statt Verurteilung

Der Advent ist da. In freudiger Erwartung haben die meisten von uns am vergangenen Wochenende die erste Kerze auf ihrem Adventskranz angezündet. Lichterketten aufgehängt, Tannenzapfen, Sterne und Weihnachtsmänner dekoriert und vielleicht sogar schon Kekse gebacken. Der Duft von Weihnachten macht sich breit, wir besinnen uns auf unsere Menschlichkeit.

In einem bekannten Gedicht von Friedrich Wilhelm Kritzinger heißt es in einer Zeile:

Es zieht ein Hoffen durch die Welt, ein starkes, frohes Hoffen.

aus dem Gedicht „Es ist Advent“

Der Advent bringt diese hoffnungsvolle Stimmung mit sich, dass alles gut wird. Der Advent lebt aber auch von einer bestimmten inneren Haltung. Von Menschlichkeit, Nächstenliebe und Besinnlichkeit.

Unsere Autorin Miriam Flick hat in ihrem Blog einen Artikel zu ihrer ganz persönlichen Haltung veröffentlicht: Ich bin ok. Du bist ok. Diese beiden kurzen und knappen Sätze drücken ihre innere Haltung zu sich selbst und zu ihren Mitmenschen aus. Wir finden, dass Miriams‘ Worte das, was wir alle aktuell fühlen, unglaublich gut einfangen und mit Blick auf das nahende Weihnachtsfest noch mehr an Bedeutung gewinnen. Ihr Artikel ist ein Appell an uns Menschen und die Menschlichkeit.

Ich bin ok. Du bist ok.

Die Zeiten sind gerade sehr herausfordernd. Für uns alle.  Worte, die die aktuelle gesellschaftliche und politische Situation beschreiben, analysieren und bewerten, sind genügend gefunden, geschrieben und gesprochen worden. Dazu möchte ich keinen weiteren Beitrag leisten.

Ich widme mich dem Gefühl, dass sich breit zu machen scheint unter uns Menschen. Und dass ich mit Sorge beobachte. Mit Sorge für uns alle. Und mit Sorge in Bezug auf unsere Kinder, die eine Entwicklung erleben, in der Macht, Schuldzuweisung, Orientierungslosigkeit, Wut und Angst, mitsamt all den Formen, in der sie sich äußert, zunehmend vorherrschen.

Nur gemeinsam meistern wir die Krise

Ausgerechnet jetzt, wo so viele weltweit verbindende Themen und Probleme uns alle beschäftigen, sollten wir doch unsere Energien in menschliche Grundprinzipien, wie Liebe, Verbindung, Verständnis und Hilfsbereitschaft legen, um gemeinsam Krisen zu meistern, aus denen wir gestärkt hervorgehen.

Was ich hingegen erlebe, sind Schuldzuweisungen, Eingeschränktheit, Abwendung, Unverständnis und Verurteilung derer, die eine andere Sichtweise haben, als man selbst. Statt konstruktiver Kommunikation höre und lese ich vorwiegend gewaltvolle Worte.

Menschen werden zunehmend kategorisiert, in Schubladen gesteckt. Einige wenige Schlüsselworte reichen. Keine Bereitschaft zuzuhören, auf Feinheiten zu achten, sich ein umfängliches Bild zu machen, miteinander zu interagieren. Und zwar mit der Haltung, die, wie ich befürchte, immer mehr an Bedeutung verliert:

ICH BIN OK. DU BIST OK.

Überall wo Menschen aufeinandertreffen, gibt es Konflikte, Meinungsunterschiede, Auseinandersetzungen. Konstruktivistisch gesehen hat niemand Recht. Jeder von uns hat seine eigene Geschichte. Persönlichkeit macht uns aus. Wir haben unterschiedliche Erwartungen, Wünsche und Bedürfnisse. Das ist auch gut so.

Uns alle verbinden menschliche Grundbedürfnisse. Wir alle wünschen uns, gehört, gesehen und verstanden zu werden. Uns zugehörig zu fühlen. Schuldzuweisungen, Verurteilung, Eingeschränktheit, Verhärtung führen zur Radikalisierung. Und zwar auf allen Seiten.

Meiner Meinung nach steckt genau darin die größte Gefahr. Dass wir uns aus der Unsicherheit und Orientierungslosigkeit, aus dem Gefühl der Angst, was die meisten von uns gerade begleitet, gegen Menschen radikalisieren. Ohne uns die Mühe zu machen und den Mut aufzubringen, uns gerade den Menschen zu öffnen und zuzuwenden, deren Einstellung und Lebensweise anders zu sein scheint, als die eigene.

Dies mag zunächst einfacher sein. Der andere hat Schuld! Zielführend, da bin ich mir sicher, ist es nicht. Zumindest dann nicht, wenn man ein menschliches und verbindendes Ziel vor Augen hat. Lasst uns respektvoll, wertschätzend, offen und empathisch begegnen. Auf Augenhöhe. Damit ist nicht gemeint, dass wir einer Meinung sein müssen.

Wir alle gehören in die Schublade Mensch

Damit ist unbedingt gemeint, dass wir alle in die Schublade Mensch gehören. Dass es eine Entscheidung ist, menschlich zu handeln, indem wir die Bedürfnisse unseres Gegenübers hören und akzeptieren. Um dann einen Diskurs zu führen, der verbindet, statt trennt. Auch wenn die Auffassungen unterschiedlich sind. Gerade jetzt geht es darum, innerhalb der Beschränkungen und Herausforderungen, unsere Möglichkeiten zu entdecken, zu gestalten und zu leben.

ICH BIN OK. DU BIST OK.

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